Der heilige Martin (11. November)

Am 11. November feiert die Kirche das Fest des heiligen Martin von Tours. Du kennst ihn sicher besser unterm dem Namen St. Martin!

Martin wurde um das Jahr 317 in Ungarn geboren. Bald nach seiner Geburt zogen seine Eltern nach Italien. Martin und seine Eltern waren Heiden. Spielkameraden erzählten Martin von Jesus. Martin wollte auch ein Freund von Jesus werden, aber das durfte er seinen Eltern nicht erzählen, weil sein Vater die Christen nicht mochte.

Mit 15 Jahren musste Martin auf Wunsch seines Vaters Soldat werden. Wenige Jahre später wurde er Offizier. Offiziere hatten Diener, von denen sie sich bedienen ließen. Nicht so Martin. Er hatte sich die Geschichte von Jesus gemerkt, der seinen Jüngern die Füße gewaschen hatte. So putzte er sich die Stiefel selber und aß mit seinem Diener an einem Tisch.

Am Stadttor von Amiens in Frankreich teilte Martin im Jahr 334 seinen Mantel mit einem frierenden Bettler. Du kennst diese Geschichte ganz bestimmt.

Bald darauf wurde Martin getauft. Er verließ das Heer und wurde zum Priester geweiht. Im Jahr 371 wurde er Bischof von Tours. Eigentlich wollte er das gar nicht. Die Legende erzählt, dass sich Martin im Stall vor den Menschen versteckt hatte. Die Gänse aber haben ihn mit ihrem Geschnatter verraten. Und so ist Martin dann doch zum Bischof geweiht worden. Martin wurde über 80 Jahre alt. Er wurde schon zu Lebzeiten von den Menschen sehr verehrt.

Übrigens: Während die Gedenktage vieler Heiligen auf ihren Todestag fallen, macht der heilige Martin eine Ausnahme. Er starb am 08. November 397, man feiert ihn aber am 11. November. Das ist so, weil der 11. November schon vor vielen Jahrhunderten ein Feiertag für die Bauern war.

Martinsbräuche

Am Festtag des heiligen Martin ziehen auch heute noch Kinder mit Laternen durch die Straßen und singen Martinslieder. Oft wird die Legende vom heiligen Martin und dem Bettler vorgelesen oder von einem Reiter im Martinsgewand gespielt. Manchmal endet der Zug an einem Platz, an dem ein Martinsfeuer entzündet wird. An einigen Orten werden auch Martinsbrezel oder Martinswecken geteilt. In diesem Brauch steckt der Hintergrund des Teilens: Martin hat seinen Mantel mit dem Bettler geteilt. In Anlehnung an die Gänse, die den heiligen Martin im Stall verraten haben, gibt es traditionell zum Martinsfest die Martinsgans.

Eine Martinslaterne

Vielleicht denkst du jetzt: Aus dem Alter bin ich aber raus! Laternen habe ich im Kindergarten gebastelt… Aber sei mal ehrlich, so eine Laterne hat was und ein Martinszug ist auch heute noch irgendwie schön. Wenn du keine Lust auf die gute alte Papierlaterne hast, habe ich hier eine neue Idee:

Du brauchst dafür eine leere Konservendose, deren Deckel sauber abgetrennt ist, damit du dich nicht schneidest.

Dann brauchst du noch einen Dosendorn (das ist so eine Art Dosenöffner mit einem Griff, an dem unten ein dicker Dorn wie ein Nagel rausguckt). Hilfreich ist ein altes Handtuch, das du von innen in die Dose steckst, wenn du die Muster einstichst. Dann kannst du die Dose gut festhalten und piekst dich auch nicht in die Finger. Nun kannst du Muster in die Dosenwand stechen. Ein Loch neben dem anderen, so kann zum Beispiel ein Stern entstehen. Am oberen Ende der Dose musst du dann noch einen Draht befestigen, damit du sie an einen Laternenstab hängen kannst. Nun fehlt nur noch eine Kerze, dann kann es losgehen!

Aus dem Buch „Das Kirchenjahr für Kinder“ von Pia Biehl

Die Eröffnung der Mittelroute des Martinusweges „VIA SANCTI MARTINI“ von Szombathely in mehreren Etappen durch Europa nach Tours

Am 26.10.2016 wurde in einer historischen Feierstunde mit Bischof Fürst, Erzbischof Burger und dem apostolischen Nuntius Nikola Eterovic an der Grenze der Bistümer Rottenburg-Stuttgart und der Erzdiözese Freiburg die Mittelroute des Martinusweges durch Europa offiziell eröffnet.

Der Europarat hat den Pilgerweg „VIA SANCTI MARTINI“ im Jahr 2005 als zweite eingetragene Kulturstraße neben dem Jakobsweg in die Liste der Kulturwege aufgenommen. Diese Wege verfolgen zwei Ziele: Die gemeinsame Identität der europäischen Bürger sichtbarer und im täglichen Leben lebendiger zu machen sowie das europäische Kulturerbe zu erhalten.

Nach der Vorbereitungsphase in 2010 wurde der Pilgerweg in der Diözese und in den Dekanaten geplant und in den Kirchengemeinden durch die verschiedenen Martinusgruppen in der Diözese von Biberach über Rottenburg a.N. und Stuttgart, Ludwigsburg sowie Besigheim bis Schwaigern ausgeschildert. Der Martinusweg, der in der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit den Ergänzungswegen insgesamt 1200 km lang ist, wurde von Bischof Fürst im April 2011 mit den Worten eröffnet: „Pilgern auf dem Martinusweg kann zur Spurensuche werden: nach Spuren des heiligen Martin in unserer Welt und nach Spuren Gottes in unserem Leben.“

Im Jubiläumsjahr 2016 (1700 Jahre nach der Geburt des Martin im Jahr 316) wurden von der St. Martinusgemeinschaft e.V. und den Dekanaten über das ganze Jahr hinweg viele Pilgertage im Rahmen des Samstagspilgerns angeboten, im Dekanat Ludwigsburg von Stuttgart über Kornwestheim nach Ludwigsburg und an einem anderen Samstag von Ludwigsburg nach Besigheim und von Besigheim über den Michaelsberg nach Lauffen. Die Pilger erfuhren dabei Geschehnisse und Legenden aus dem Leben des heiligen Martin, der in einer Zeit des Aufbruchs und der Veränderung lebte. Er wirkte wie kaum ein anderer in seiner Zeit als Vorbild für die Nächstenliebe. Bekannt sind die Mantelteilung und die Heilung von Kranken sowie seine Standhaftigkeit im Glauben.

Die Künstlerin Astrid Eichin webte einen Martinsmantel, der in der Mitte geteilt und mit einer goldenen Kordel zusammengebunden ist. Dieser Mantel wird als symbolisches Verbindungsstück feierlich von Diözese zur nächsten Diözese weitergereicht auf der neuen 2500 km langen Mittelroute des Martinusweges von Szombathely nach Tour. Der Weg beginnt am Geburtsort des heiligen Martinus in Szombathely und verläuft durch die Diözesen in Ungarn, Österreich, Deutschland, Luxemburg, Belgien und Frankreich bis nach Tour, wo Martin Bischof war. In der Nähe von Schwaigern übergab Bischof Gebhard Fürst den Martinsmantel an den Erzbischof Burger aus Freiburg. Der Weg des Mantels führt von Freiburg in die Diözese Speyer und danach nach Worms, wo nach der Legende Martin eingekerkert war. Neben Szombathely ist hier der zweite Ort auf der Mittelroute, an dem sich Lebens- und Glaubensspuren treffen.

Der apostolische Gesandte des Papstes N. Eterovic würdigte bei der historischen Eröffnung der Mittelroute das Engagement der Diözese Rottenburg-Stuttgart und die Initiativen zur Ausgestaltung des Martinsweges. Er betonte, dass Pilgern in Europa eine besondere Bedeutung habe: „Das Beispiel des heiligen Martin lädt Christen heute dazu ein, sich für den Aufbau eines Europas einzusetzen, das tiefe christliche Wurzeln hat“. Der Pilgerweg des heiligen Martin ist Symbol für die Kirche im Aufbruch.

Kurze Filme sind in YOUTUBE veröffentlicht und unter den Suchbegriffen „Martinusweg“ und „Schwaigern“ zu finden.

Otto Abele

Ökumenisch Pilgern mit den Bischöfen

Bischof Dr. Gebhard Fürst und der evangelische Landesbischof July machten sich am 22.10.2016 gemeinsam mit 300 Christen beim ersten ökumenischen Pilgertag auf den Martinusweg von Kornwestheim nach Ludwigsburg.

Anlass des Pilgertages war das Martinusjahr zum 1700. Geburtstag des heiligen Martin von Tours und das beginnende 500-Jahr-Reformationsgedenken 2017.

Der Pilgertag begann an der katholischen Martinuskirche in Kornwestheim und endete mit einer Dialogpredigt beim Abschlussgottesdienst auf der Karlshöhe in Ludwigsburg. Beide Bischöfe hoben die Glaubenszeugen und jeweils die Bedeutung des heiligen Martin und des Reformers Martin Luther hervor, die bis heute in unsere Zeit wirken.

Otto Abele