Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten

Warum überhaupt Entwicklung?

Eine geistliche Antwort

„Aber in dieser Nacht fingen sie nichts“ (Joh 21,3)

Viele ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter/innen fühlen sich wie die Jünger in dieser Nacht: Sie arbeiten und geben sich Mühe, aber der Erfolg bleibt aus, die ans Ufer gebrachten Netze sind leer. So ging es schon Petrus, bevor er Jesus kannte (siehe Lk 5,5), und so geht es vielen Jüngern jetzt.

Und wieder, wie damals bei Petrus, sagt Jesus, sie sollen es noch einmal probieren. Im Johannesevangelium heißt es sogar: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen“ (Joh 21,6). Die Jünger werden nicht hell begeistert gewesen sein, zumal sie nicht wussten, dass Jesus diesen Auftrag erteilte; sie hatten ihn ja noch nicht erkannt. Dennoch gibt es diese Verheißung, biblisch: die Netze auf der anderen Seite auszuwerfen – auch für diejenigen, die heute Pastoral gestalten und verantworten.

Entwicklung durch einen Blickwechsel. Noch einmal mit geweitetem, geschärftem und verändertem Blick. Noch einmal im Sinne einer geistlichen Erneuerung und einer entschiedenen pastoralen Ausrichtung – werft die Netze auf der rechten Seite aus.

„Und ihr werdet finden“ (Fridolin Stier), das klingt anders als „etwas fangen“. Tatsächlich ist die Art und Weise des Erfolgs nicht programmierbar. Doch gilt die Verheißung der Bibel, dass es etwas zu finden gibt – Gott, die Zukunft der Kirche – in den konkreten Lebenswirklichkeiten der Menschen.

Eine pastorale Antwort

Wenn die Ressourcen knapp werden und die Unzufriedenheit oder auch Ermüdung zunimmt, wenn viele den Eindruck haben, sie arbeiten immer mehr, aber es kommt immer weniger dabei heraus, dann sind dies Zeichen innezuhalten, zu überprüfen, sich neu auszurichten und aus einer veränderten Haltung heraus zu handeln.

Das kostet zunächst Überwindung. Viele Kräfte um uns und in uns ziehen in die andere Richtung: Widerstände, dass doch nichts dabei herauskommt, Ängste, weil man nicht weiß, worauf man sich einlässt, Trauer und Wut, weil vieles nicht mehr geht, was einem wertvoll geworden war.

Diese Phase der widerständigen Gefühle machen Organisationen und einzelne Menschen durch und jeder hat dabei sein eigenes Tempo. Dennoch wird in unserer Diözese ein gemeinsamer Entwicklungsprozess initiiert.

Durch den gemeinsamen Prozess entsteht überall Energie, die sich gegenseitig anstößt und mehr wird. Viele sind genau an diesem Punkt und steigen daher gleich ein, andere brauchen noch ein bisschen und finden den richtigen Zeitpunkt etwas später.

Der gemeinsame Prozess und Aufbruch bewirkt die Erfahrung, dass man nicht allein ist, sondern viele unterwegs sind.

Eigentlich wissen alle, dass Wandlung nötig ist, um dadurch als Kirche glaubwürdig zu bleiben. Jetzt kommt es darauf an, gemeinsam der Verheißung zu vertrauen: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet finden“.

Aus einem Einführungstext von Domkapitular Paul Hildebrand, Weihbischof Matthäus Karrer, Michael Elmenthaler, Christiane Bundschuh-Schramm                                                              

„Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“

In unserer Gesamtkirchengemeinde trifft sich seit September 2016 in regelmäßigen Abständen – im Auftrag der Kirchengemeinderäte - ein sog. Prozessteam, um diesen Weg auch in unserer Gesamtkirchengemeinde zu initiieren. Allem Wunsch nach Aufbruch und Perspektivenwechsel liegt ein innerer Weg zugrunde, der umschrieben werden könnte mit den geistlichen Haltungen „ERWARTEN – LASSEN – VERTRAUEN – WERTSCHÄTZEN“. Wir möchten Sie einladen, diesen Weg mit uns zu gehen und zu gestalten.